Interview von "E-Zigarette Tipps" mit Jan Prüßen - Verkaufsleiter von Main-Steam.de 23.06.2015 10:58

E-Mail Interview zum Thema TPD 2016

1. Die Umsetzung der Tabakprodukterichtlinie ist derzeit ein viel diskutiertes Thema bei Dampfern, Einzelhändlern und Herstellern. Welche Änderungen wird es Ihrer Meinung nach geben?
- Maximale Gebindegröße für Liquid 10ml
- Maximale Nikotinmenge von 20mg/ml
- Verbot des Vertriebs von regelbaren Akkus unter der Bezeichnung Akku für E-Zigarette
- Maximales Verdampferfassungsvermögen von 2ml


2. Wie würde die Umsetzung der TPD für Sie im schlimmsten Fall aussehen?
... auswandern...


3. Wie würde die Umsetzung der TPD für Sie im besten Fall aussehen?
Leichte, teils sinnvolle, akzeptable Einschränkungen bei den Produkten.


4. Welche Gründe könnte es geben, dass das Dampfen derzeit so negativ in den Medien bewertet wird?
Wir gehen immer von einer selbstverantwortlichen, aufgeklärten Gesellschaft aus. Dazu jedoch braucht es fundierte Informationen und freie Studien aus unabhängiger, freier Forschung und Wissenschaft. Für einen Journalist ist die Gefahr gering, wenn er einen Verriss zur E-Zigarette schreibt. Befürwortet er jedoch das Produkt, muss er dieses fundieren. So funktioniert Boulevardjournalismus nun einmal.
Wenn ich mir jedoch die Auswüchse des Marktes im Moment ansehe, ist es kein Wunder das nach einer Regulierung geradezu gebettelt wird. Ich sehe TPD nicht als Bedrohung sondern als Chance zur Akzeptanz. Wir sprechen hier von einem unregulierten Drogenmarkt und dem Suchtstoff Nikotin. Natürlich haben dort viele Angst und Vorurteile. Ebenso ist es ein Verdrängungswettbewerb mit den herkömmlichen Nikotinprodukten – ein Milliardengeschäft.
Sobald sich die Politik ernsthaft mit dem Thema auseinander setzen muss, rücken die wissenschaftlichen Fakten hoffentlich weiter in den Vordergrund. Vielleicht gibt es dann ja genug Interesse an groß angelegten, ernsthaften Studien zum Vergleich von Tabak- zu E-Zigarette.


5. Was können Dampfer im Einzelnen Ihrer Meinung nach tun, um das öffentliche Bild der E-Zigarette zu stärken?
In der Öffentlichkeit dampfen wo sie vorher rauchten, Kontakt zu ihren politischen Vertreten aufnehmen – Demokratie funktioniert am besten von unten nach oben – nicht umgekehrt. Der Dampfende muss ein Gesicht bekommen damit man sieht, dass wir schon lange mitten in der Gesellschaft angekommen sind. UND fordert eine Regulierung! Dann aber bitte aber auf Grundlage von unabhängigen Studien zum Vergleich von E-Zigarette und Tabakzigarette. Viele vergessen scheinbar, dass Tabakwaren frei verkäuflich sind, wenn sie über Einschränkungen bei der E-Zigarette nachdenken.


6. Spüren Sie als Einzelhändler / Hersteller von Liquids schon jetzt eine Veränderung im Kaufverhalten bzw. bereiten Sie sich in irgendeiner Weise auf die TPD vor? Haben die derzeitigen Medienberichte zu Umsatzeinbrüchen geführt?
Für eine genauere Analyse sind wir zu klein. Medienberichte, Poststreik, Warensortiment, Wetter - alles Faktoren und Mutmaßungen, woran welche Umsatzentwicklung liegt. Von Einbrüchen kann ich nicht sprechen.


7. Erhalten Sie explizite Fragen von Kunden bezüglich der Sicherheit des Dampfens und der Liquids im Speziellen?
Wenig


8. Welche Bedeutung hat das Dampfen für Sie persönlich? (Unabhängig vom geschäftlichen Part)
Ich bin ein so genannter Überzeugungstäter und dampfe seit Ende 2010.


9. Wo sehen Sie die E-Zigarette in 10 Jahren?
Bei mir auf dem Schreibtisch – wie im Moment auch.
Ernsthaft – ich halte die E-Zigarette für die Zukunft des Rauchens. Sie ist nicht gesund. Gesund ist, einen Apfel zu essen. Jedoch ist die E-Zigarette für Millionen anderer Ex-Raucher und mich das angenehmste Inhalationsprodukt für Nikotin. Ich gehe davon aus, das sich weiter herausstellen wird, dass das Dampfen um ein vielfaches weniger schädlich ist, als das Rauchen. Da bleibt dann nur die gesellschaftliche Frage, wollen wir eine drogenfreie Gesellschaft ohne Alkohol, Koffein, Nikotin etc. oder einen selbstverantwortlichen Umgang mit diesen Produkten innerhalb von gewissen Spielregeln, sprich einer wohl überlegten Gesetzgebung dazu. Ich denke, die E-Zigarette wird in 10 Jahren zum ganz normalen Gesellschaftsbild gehören.


10. Welche eventuell kommenden Änderungen der TPD erscheinen Ihnen sinnvoll, welche weniger sinnvoll?
Warten wir es ab. Sinnvoll ist es sicherlich, den hemmungslosen Umgang mit Nikotin in irgendeiner Weise zu regulieren. Ich halte 18mg/ml oder 20mg/ml für eine vertretbare, absolute Obergrenze. Ich bin aber auch kein Wissenschaftler. Die aktuellen Verdampfergenerationen kämen sicher auch mit einer Grenze von 12mg/ml aus. Das einige Dampfer mit hohen Nikotinkonzentrationen in privaten Haushalten hemmungslos in Küchen rummischen, in denen noch andere Personen essen halte ich persönlich für gefährlich und unnötig. Aber da sind sicherlich auch wir Händler gefragt. Wenn so genannte Premium-Liquids für 5 bis 8 € pro 10ml angeboten werden, frage ich mich manchmal, wer zahlt denn so was ... und wohin es den Markt treibt, sehen wir an den Liquidmischereien. Ich bin nicht grundsätzlich gegen das selbst anmischen von Liquid – ich weiß nur nicht, ob jeder ab 18 auch wirklich weiß, was er da tut.

11. Waren Sie vor der E-Zigarette Raucher? Wenn ja, würden Sie bei einem totalen Verbot der E-Zigarette wieder mit dem Rauchen anfangen?
Ja, ich war vor der E-Zigarette starker Raucher und werde weiter dampfen, mit oder ohne gesetzliche Grundlage sofern freie wissenschaftliche Studien mich nicht davon überzeugen können, dass das Rauchen von Tabak gesünder ist, als das Dampfen von E-Zigaretten.

Ich danke für das Interview.
Mit freundlichen Grüßen
Jan Prüßen
Main-Steam.de


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